Den falschen Mieter zu wählen ist einer der teuersten Fehler, die ein Vermieter machen kann. Mietschulden, Schäden, jahrelange Gerichtsverfahren – die Folgen können gravierend sein. Mit einem systematischen Auswahlprozess kannst du das Risiko deutlich senken.
Schritt 1: Das richtige Inserat
Ein gutes Inserat zieht die richtigen Bewerber an. Portale: Immobilienscout24, Immowelt, eBay Kleinanzeigen. Was sollte rein:
- Professionelle Fotos (Tageslicht, aufgeräumt)
- Genaue Ausstattungsbeschreibung
- Kaltmiete, NK, Kaution klar angeben
- Lage und Anbindung beschreiben
- Energieausweis-Daten (Pflicht!)
Tipp: Gib im Inserat bereits an, welche Unterlagen du von Bewerbern erwartest. Das filtert unernste Anfragen heraus.
Schritt 2: Bewerber filtern
Du wirst viele Anfragen bekommen. Filtere grob nach:
- Vollständigkeit der Anfrage (wer keine Angaben macht, ist unzuverlässig)
- Beruf und Einkommen (aus der Anfrage oft erkennbar)
- Anzahl der einziehenden Personen (passt zur Wohnungsgröße?)
- Haustiere (wenn du keine erlaubst)
Schritt 3: Besichtigung organisieren
Führe die Besichtigung selbst durch – nicht über einen ProvisionMaklerprovision bei Vermietung – seit 2015 zahlt derjenige der den Makler beauftragt.Weiterlesen → max. 2 Kaltmieten bei Neuvermietung.">MaklerImmobilienmakler vermittelt Mieter oder Käufer – Provision max. 2 Kaltmieten bei Neuvermietung.Weiterlesen →, wenn du sorgfältig auswählen willst. Gruppenbesichtigungen sparen Zeit, aber du kannst schlechter auf einzelne Bewerber eingehen. Einzelbesichtigungen erlauben dir, jeden Bewerber besser kennenzulernen.
Fragen, die du stellen darfst:
- Beruf und Arbeitgeber
- Wie viele Personen ziehen ein?
- Wann wäre der Einzugstermin?
- Warum verlassen Sie die alte Wohnung?
Nicht fragen darfst du: Familienplanung, Nationalität, Religion, Vorstrafen (außer relevante), Gewerkschaftszugehörigkeit.
Schritt 4: Unterlagen prüfen
Fordere nach der Besichtigung von Favoritenbewerbern folgende Unterlagen an:
- Selbstauskunft (ausgefüllt und unterschrieben)
- Schufa-Auskunft (nicht älter als 3 Monate, vollständige Kopie)
- Einkommensnachweise (letzte 3 Gehaltsabrechnungen)
- Mietschuldenfreiheitsbescheinigung vom Vorvermieter
- Bei Selbstständigen: Steuerbescheid der letzten 2 Jahre
Schritt 5: Entscheidung treffen
Prüfe alle Unterlagen sorgfältig. Faustformel: Das Nettoeinkommen sollte mindestens das Dreifache der KaltmieteGrundmiete ohne Betriebskosten – wird für Mietpreisbremse und Mieterhöhung zugrunde gelegt.Weiterlesen → betragen. Bei 800 € Kaltmiete also mindestens 2.400 € Netto. Negative Schufa-Einträge sind ein klares Warnsignal. Auch fehlende oder unvollständige Unterlagen deuten auf Unzuverlässigkeit hin.
Was darf ich nicht: Diskriminierungsverbot
Du darfst keinen Bewerber aus diskriminierenden Gründen ablehnen: Nationalität, Geschlecht, Alter, Behinderung, Religion. Das Allgemeine Gleichbehandlungsgesetz (AGG) schützt Bewerber. Begründe Ablehnungen nie mit solchen Kriterien – auch nicht im privaten Gespräch. Die Begründung „wir haben einen geeigneteren Bewerber gefunden" reicht aus.
Checkliste Mieterauswahl
- Professionelles Inserat mit Pflichtangaben
- Anfragen auf Vollständigkeit prüfen
- Besichtigung persönlich durchführen
- Selbstauskunft und Schufa anfordern
- Einkommensnachweise prüfen
- Mietschuldenfreiheit bestätigen lassen
- Kein Verstoß gegen AGG
Mehr: Selbstauskunft Mieter – was darf rein? | Mietvertrag aufsetzen
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