Dieser Artikel stellt keine steuerliche Beratung dar. Für deine individuelle Steuersituation wende dich an einen Steuerberater oder das zuständige Finanzamt.
Renditeberechnung beim Immobilienkauf: Die ehrliche Kalkulation
Makler und Anbieter werben gerne mit "5% Rendite" oder "attraktiver Cashflow". Doch hinter diesen Zahlen steckt oft eine vereinfachte Bruttoberechnung die reale Kosten verschweigt. Wer eine Immobilie kauft, sollte die Netto-Rendite und den tatsächlichen Cashflow kennen — bevor unterschrieben wird.
Bruttorendite: Der schnelle Überblick
Formel: Jahres-KaltmieteGrundmiete ohne Betriebskosten – wird für Mietpreisbremse und Mieterhöhung zugrunde gelegt.Weiterlesen → ÷ Kaufpreis × 100
Beispiel: Jahresmiete 12.000 Euro ÷ Kaufpreis 240.000 Euro = 5%
Die Bruttorendite ist gut für einen ersten Vergleich — aber sie berücksichtigt weder NotarPflicht beim Immobilienkauf – beurkundet den Kaufvertrag, kostet ca. 1,5% des Kaufpreises.Weiterlesen →, Grunderwerbsteuer, ProvisionMaklerprovision bei Vermietung – seit 2015 zahlt derjenige der den Makler beauftragt.Weiterlesen → max. 2 Kaltmieten bei Neuvermietung.">MaklerImmobilienmakler vermittelt Mieter oder Käufer – Provision max. 2 Kaltmieten bei Neuvermietung.Weiterlesen → – zusammen 8-12% des Kaufpreises zusätzlich.">KaufnebenkostenNotar, Grunderwerbsteuer, Makler – zusammen 8-12% des Kaufpreises zusätzlich.Weiterlesen → noch laufende Kosten.
Nettorendite: Realismus beginnt hier
Formel: (Jahresmiete - Bewirtschaftungskosten) ÷ Gesamtinvestition × 100
Gesamtinvestition berechnen
- Kaufpreis: 240.000 Euro
- Grunderwerbsteuer (3,5-6,5% je Bundesland): ca. 9.600 Euro (4%)
- Notarkosten (ca. 1,5%): ca. 3.600 Euro
- Grundbucheintrag (ca. 0,5%): ca. 1.200 Euro
- Maklerprovision (falls fällig, 3,57%): ca. 8.568 Euro
- Gesamtinvestition: ca. 263.000 Euro
Jährliche Bewirtschaftungskosten abziehen
| Kostenposition | Betrag/Jahr (Beispiel) |
|---|---|
| Nicht umlagefähige Nebenkosten (ca. 1 €/qm/Monat) | 720 € |
| Instandhaltungsrücklage (ca. 1,5 €/qm/Monat) | 1.080 € |
| Hausverwaltung (ca. 30-50 €/Monat) | 480 € |
| Versicherungen (Gebäude, Haftpflicht) | 400 € |
| Leerstandsrisiko (2-3% Puffer) | 300 € |
| Gesamt Kosten | 2.980 € |
Nettomieteinnahmen: 12.000 - 2.980 = 9.020 Euro/Jahr
Nettorendite: 9.020 ÷ 263.000 × 100 = 3,43%
Das ist der reale Unterschied: 5% brutto vs. 3,4% netto.
Cashflow-Rechnung: Was bleibt monatlich?
Für fremdfinanzierte Immobilien ist der Cashflow entscheidend:
- Kaltmiete/Monat: 1.000 Euro
- - Nicht umlagefähige NK: -60 Euro
- - InstandhaltungsrücklageRücklage für zukünftige Reparaturen – empfohlen: 1-2 €/m²/Monat zurücklegen.Weiterlesen →: -90 Euro
- - HausverwaltungExterne Verwaltung von Mietobjekten – kostet 5-8% der Bruttomiete, ab 3+ Einheiten sinnvoll.Weiterlesen →: -40 Euro
- - Versicherungen: -33 Euro
- - Kreditzins (170.000 Euro Darlehen, 3,5% p.a.): -496 Euro
- = Cashflow vor Tilgung: 281 Euro/Monat
- - Tilgung (2% p.a.): -283 Euro
- = Netto-Cashflow: ca. -2 Euro/Monat (cashflow-neutral)
In diesem typischen Beispiel ist die Immobilie weitgehend selbsttragend — Tilgung und NK werden durch Miete gedeckt. Der Gewinn entsteht langfristig durch Wertsteigerung und Schuldenabbau.
Nach-Steuer-Rendite: Die echte Zahl
Steuern beeinflussen den Nettoertrag erheblich:
- Mieteinnahmen versteuern zum persönlichen Satz (bis 45%)
- Abzugsfähige Kosten (AfAAbsetzung für Abnutzung: 2% des Gebäudewerts jährlich steuerlich absetzbar – großer Steuervorteil.Weiterlesen →, Zinsen, NK) mindern die Steuerlast
- In der Anfangsphase entstehen oft steuerliche Verluste → Steuerersparnis
Daher: Die steuerliche Situation individuell mit Steuerberater klären — pauschale Renditeangaben ignorieren Steuern komplett.
Der Blick auf die Wertsteigerung
Immobilien haben in den letzten 20 Jahren in deutschen Großstädten durchschnittlich 3-6% p.a. an Wert gewonnen. Diese Wertsteigerung ist nicht garantiert, sollte aber in die Gesamtbetrachtung einfließen:
- Laufende Nettorendite: 3-4%
- Erwartete Wertsteigerung: 2-4%
- Gesamtrendite (Immobilien-Gesamtreturn): 5-8%
Wann lohnt sich der Kauf?
Faustregel: Kaufpreisfaktor (Kaufpreis ÷ Jahresmiete) unter 25 ist attraktiv, 25-30 akzeptabel, über 30 oft schwer zu rechtfertigen.
- Faktor 20: Bruttorendite 5% → meist lohnend
- Faktor 25: Bruttorendite 4% → je nach Finanzierung und Lage akzeptabel
- Faktor 35+: Bruttorendite 2,9% → nur bei starker Wertsteigerungserwartung
Checkliste: Vor dem Kauf durchrechnen
- Bruttorendite berechnet?
- Alle Kaufnebenkosten in Gesamtinvestition eingerechnet?
- Laufende Kosten vollständig erfasst (Rücklagen, Verwaltung, Versicherung)?
- Monatlicher Cashflow kalkuliert?
- Steuerliche Auswirkungen mit Steuerberater besprochen?
- Kaufpreisfaktor berechnet?
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