Kaufen & Vermieten

Eigenkapital beim Immobilienkauf: Wie viel braucht man wirklich?

Wer eine Immobilie kaufen will, bekommt von Banken immer wieder dieselbe Faustregel zu hören: "Mindestens 20–30% EigenkapitalEigene Mittel beim Immobilienkauf – mindestens 20% empfohlen, besser 30%.Weiterlesen →." Aber warum? Und kann man auch darunter kaufen? Hier erkläre ich, was hinter dieser Regel steckt.

Die 20-30%-Faustregel: Woher kommt sie?

Banken verleihen Geld — und wollen es zurückbekommen. Das Eigenkapital dient als Puffer:

  • Es schützt die Bank bei Wertverlust der Immobilie
  • Es zeigt der Bank, dass du mit Geld umgehen kannst
  • Je mehr Eigenkapital, desto geringer das Risiko für die Bank → günstigere Zinsen für dich

Mindest-Eigenkapital: Was die Bank wirklich fordert

Die meisten Banken finanzieren maximal 80–90% des Kaufpreises. Das bedeutet:

  • Du musst mindestens 10–20% des Kaufpreises selbst einbringen
  • Dazu kommen die NotarPflicht beim Immobilienkauf – beurkundet den Kaufvertrag, kostet ca. 1,5% des Kaufpreises.Weiterlesen →, Grunderwerbsteuer, ProvisionMaklerprovision bei Vermietung – seit 2015 zahlt derjenige der den Makler beauftragt.Weiterlesen → max. 2 Kaltmieten bei Neuvermietung.">MaklerImmobilienmakler vermittelt Mieter oder Käufer – Provision max. 2 Kaltmieten bei Neuvermietung.Weiterlesen → – zusammen 8-12% des Kaufpreises zusätzlich.">KaufnebenkostenNotar, Grunderwerbsteuer, Makler – zusammen 8-12% des Kaufpreises zusätzlich.Weiterlesen → (7–15% je nach Bundesland) — diese finanziert die Bank selten mit

Bei einem Kaufpreis von 250.000 € bedeutet das:

PositionBetrag
Kaufpreis250.000 €
Kaufnebenkosten (10%)25.000 €
Eigenkapital für Nebenkosten25.000 € (Pflicht)
Eigenkapital auf Kaufpreis (20%)50.000 €
Empfohlenes Eigenkapital gesamt75.000 €

Was zählt als Eigenkapital?

  • Bankguthaben, Tagesgeld, Festgeld
  • Aktien, ETFs (Vorsicht: Kursschwankungen)
  • Rückkaufswert von Lebens- / Rentenversicherungen
  • Bestehende Immobilien (als Sicherheit)
  • Bausparverträge (in Zuteilung)
  • Schenkungen und Darlehen von Eltern (wenn nachrangig)

Was NICHT als Eigenkapital gilt:

  • Zukünftige Mieteinnahmen aus der zu kaufenden Immobilie
  • Konsumkredite
  • Nicht ausreichend liquide Vermögenswerte

Vollfinanzierung: Wann macht es Sinn?

Eine Vollfinanzierung (100% des Kaufpreises, plus Nebenkosten aus Eigenkapital) ist möglich, aber teuer. Wann sie trotzdem sinnvoll sein kann:

  • Sehr niedriges Zinsniveau (historisch gesehen)
  • Objekt mit überdurchschnittlich hoher Rendite
  • Starke Nachfragelage mit sicherer Mieteinnahme
  • Du hast das Eigenkapital anderweitig renditeträchtiger angelegt

Aber: Bei einer Vollfinanzierung ist der monatliche Kapitaldienst (Zinsen + Tilgung) so hoch, dass der Cashflow oft negativ ist. Das bedeutet: Du zahlst jeden Monat drauf. Das funktioniert nur, wenn du die Immobilie als langfristigen Vermögensaufbau siehst.

Eigenkapitalquote und Zinsvorteil

Mehr Eigenkapital = besserer Zinssatz. Die Unterschiede können erheblich sein:

EigenkapitalquoteTypischer Zinssatz
Unter 10%Ab 4,5–5,5%
10–20%3,8–4,5%
20–30%3,2–3,8%
30–40%2,8–3,4%
Über 40%2,5–3,0%

Ein Zinsunterschied von 1% auf 200.000 € über 20 Jahre bedeutet: ca. 40.000 € mehr oder weniger Zinszahlungen. Eigenkapital spart echtes Geld.

Meine Empfehlung für Vermieter

Kaufe mit mindestens 20–25% Eigenkapital auf den Kaufpreis — plus die Kaufnebenkosten vollständig aus eigenen Mitteln. So hast du:

  • Einen überschaubaren Kapitaldienst
  • Einen positiven oder zumindest neutralen Cashflow
  • Reserven für Reparaturen und Leerstand
  • Spielraum bei Zinserhöhungen bei der Anschlussfinanzierung

Plane außerdem eine InstandhaltungsrücklageRücklage für zukünftige Reparaturen – empfohlen: 1-2 €/m²/Monat zurücklegen.Weiterlesen → von 1–2% des Kaufpreises pro Jahr ein — bei einer 250.000-€-Immobilie also 2.500–5.000 € pro Jahr für Reparaturen.

Weiterführende Artikel