Ratgeber

Leerstand auf dem Land: Chance oder Risiko für Investoren?

In Deutschland stehen nach Schätzungen des Wohnungswirtschaftsinstituts rund 1,7 Millionen Wohnungen dauerhaft leer – die meisten davon in ländlichen Regionen. Für Investoren stellt sich die Frage: Chance oder Risiko?

Die Leerstandskarte Deutschlands

Leerstand konzentriert sich in: strukturschwachen Regionen Ostdeutschlands (Sachsen-Anhalt, Mecklenburg-Vorpommern, Thüringen), Nordbayern und Teilen Niedersachsens, peripheren Gebieten fernab von Autobahnen und Bahnlinien. Kaufpreise dort: 300–800 Euro/m² – ein Bruchteil des stadtischen Niveaus. Die potenzielle MietrenditeJahresmiete geteilt durch Kaufpreis – Ziel: mindestens 4% brutto für positive Rendite.Weiterlesen → sieht auf dem Papier oft fantastisch aus.

Das Rendite-Paradoxon auf dem Land

Kaufpreis 60.000 Euro, Jahresnettomiete 6.000 Euro = Bruttomietrendite 10 %. Klingt gut – aber die Realität: Leerstände von 3–6 Monaten pro Jahr sind üblich, Instandhaltungskosten sind relativ höher (große Flächen, alte Substanz), MietersucheProzess des Findens eines geeigneten Mieters – Inserat, Besichtigung, Bonität, Entscheidung.Weiterlesen → dauert länger, Exit ist schwierig (wenig Käufer). Nettomietrendite nach allem: oft 4–6 % – ähnlich wie in besseren Lagen mit weniger Aufwand.

Wer sind die Mieter auf dem Land?

Mieterprofil in ländlichen Regionen: oft ältere, einkommensschwächere Bevölkerung, Handwerker und Pflegekräfte, Pendler (wenn Infrastruktur gut), zunehmend: Geflüchtete in strukturschwachen Gemeinden (teils staatlich gefördert, stabile Einnahmen). Bestes Segment auf dem Land: Handwerker-Wohnungen nah an Gewerbegebieten.

  • ☑ Demografische Entwicklung der Gemeinde prüfen (Bevölkerungsprognose 2030)
  • ☑ Arbeitgeber in der Region analysieren
  • ☑ ÖPNV-Anbindung und Infrastruktur bewerten

Staatliche Förderung für ländliche Immobilien

Einige Bundesländer fördern Sanierungen in strukturschwachen Gebieten: Bayern: „Dorfentwicklung" Förderprogramm, Sachsen: Städtebauförderung, Bundesebene: BAFA-Förderung für energetische Sanierung auch auf dem Land. KfWKreditanstalt für Wiederaufbau – bietet günstige Kredite und Zuschüsse für energetische Sanierung.Weiterlesen → 261 gilt auch für ländliche Objekte. Manchmal können 20–40 % der Sanierungskosten durch Förderprogramme abgedeckt werden.

Exit-Risiko: Das größte Problem

Das größte Risiko ländlicher Immobilien ist der schwierige Exit. In schrumpfenden Regionen gibt es kaum Käufer für Mietimmobilien. Wenn du verkaufen musst, musst du oft deutlich unter dem Marktwert verkaufen. Strategie: Kaufe nur Objekte, die du auch im Notfall 20+ Jahre halten kannst und die sich auch bei 25 % LeerstandPeriode ohne Mieter – kostet Einnahmen, birgt Risiken, sollte schnell behoben werden.Weiterlesen → noch tragen.

Fazit: Mit klarer Strategie ja – spekulativ nein

Ländliche Immobilien können funktionieren mit: konservativem Kaufpreis (Kaufpreisfaktor unter 10), echter lokaler Nachfrage (Handwerker, Pflegepersonal), staatlicher Förderung für Sanierungen, langfristiger Haltestrategie ohne Exitdruck. Als reine Renditespekulation oder ohne lokale Marktkenntnisse: gefährlich. Mehr: B- und C-Städte als Investment.

Sanierungskosten und Renditerechnung: Wann sich Leerstand lohnt

Viele Investoren werden von den niedrigen Kaufpreisen auf dem Land gelockt – doch hier lauert die erste Falle. Eine typische Investitionsrechnung zeigt das Problem: Ein Haus in Mecklenburg-Vorpommern kostet 400.000 Euro, bringt aber monatlich nur 300–400 Euro Miete ein. Das sind 3,6–4,8 Prozent Bruttomietrendite – bevor Sanierung, Steuern und Leerstandsrisiko abgezogen werden.

Entscheidend ist die energetische Sanierung nach KfW-Standards. Viele Leerstandsobjekte auf dem Land wurden vor 1995 gebaut und verursachen HeizkostenMüssen verbrauchsabhängig abgerechnet werden – mindestens 50-70% nach Verbrauch, Rest nach Fläche.Weiterlesen → von 20–30 Euro pro Quadratmeter jährlich. Nach KfW-55-Sanierung (ca. 1.500–2.500 Euro pro Quadratmeter) sinken die Nebenkosten dramatisch – doch die Investition muss über höhere Mieten oder längere Renditezyklen refinanziert werden.

Praktischer Tipp: Lassen Sie vor Kauf ein energetisches Gutachten erstellen (ca. 500–800 Euro). Ein unsaniertes Haus mit monatlich 1.200 Euro KaltmieteGrundmiete ohne Betriebskosten – wird für Mietpreisbremse und Mieterhöhung zugrunde gelegt.Weiterlesen → ist bei realistischen Nebenkosten von 150+ Euro für neue Mieter unattraktiv – und damit kein Investment, sondern ein Sanierungsfall.

Leerstandsrisiko und Mieterfindung in strukturschwachen Regionen

Die zweite kritische Variable ist nicht der Kaufpreis, sondern die realistische Vermietungsdauer. In Landkreisen mit über 12 Prozent Leerstandsquote (wie Salzwedel in Sachsen-Anhalt) bleiben Objekte oft 6–12 Monate unvermietet – selbst wenn sie saniert sind.

Warum? Demografie: In vielen ländlichen Regionen nimmt die Bevölkerung jährlich um 1–2 Prozent ab. Der Wohnungsbestand bleibt gleich, die Nachfrage sinkt. Das bedeutet konkret:

  • Mieterauswahl ist größer, aber absolute Nachfrage niedrig
  • Mieterausfälle treten häufiger auf (Abwanderung ins Umland)
  • Maklerprovision liegt oft bei 4–6 Monatsmieten (statt 2–3 in Städten)

Ein ungeschriebenes Risiko: ProvisionMaklerprovision bei Vermietung – seit 2015 zahlt derjenige der den Makler beauftragt.Weiterlesen → max. 2 Kaltmieten bei Neuvermietung.">MaklerImmobilienmakler vermittelt Mieter oder Käufer – Provision max. 2 Kaltmieten bei Neuvermietung.Weiterlesen → in dünn besiedelten Regionen sind oft unmotiviert, da Kommissionen niedrig ausfallen. Investoren sollten Direktvermarktung über lokale Facebook-Gruppen und Nachbarschaften kalkulieren – das kostet Zeit statt Geld.

Rechtliche Stolpersteine: DenkmalschutzBesonderer Schutzstatus für historische Gebäude – mit bis zu 9% AfA jährlich höchste Steuervorteile.Weiterlesen → und Instandhaltungsrücklagen

Ein oft übersehenes Risiko: Alte Leerstandsgebäude auf dem Land stehen überproportional häufig unter Denkmalschutz. Das bedeutet nach § 9 BauGB und landesspezifischen Denkmalschutzgesetzen:

  • Fassaden dürfen oft nicht modernisiert werden – Wärmeverluste bleiben
  • Sanierungskosten verdoppeln sich durch spezielle Handwerker und Genehmigungen
  • KfW-Förderung (KfW 118) ist eingeschränkt, aber unter bestimmten Bedingungen nutzbar

Musterfehler: Ein Investor kauft ein denkmalgeschütztes Haus in Thüringen für 250.000 Euro, plant 100.000 Euro Sanierung – dann teilt ihm das Denkmalamt mit, dass die neue Haustechnik verdeckt verlaufen muss und die Kosten auf 180.000 Euro steigen.

Vor Kauf muss eine schriftliche Stellungnahme des zuständigen Denkmalamtes (kostenlos) vorliegen.

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