Ratgeber

Passives Einkommen durch Vermietung: Was ist wirklich realistisch?

Vollständig passiv ist Vermietung nie. Aber der Aufwand variiert enorm je nach Strategie — und mit dem richtigen Setup kann man es sehr nahe daran bringen.

Wie passiv ist Vermietung wirklich?

SzenarioZeitaufwand/MonatPassiv-Grad
1 Wohnung selbst verwaltet2–5 Stundenmittel
5 Wohnungen selbst verwaltet10–20 Stundenniedrig
1 Wohnung mit Hausverwaltung< 1 Stundesehr hoch
Ferienwohnung (Superhost-Status bringt mehr Buchungen.">AirbnbWeltweit größte Plattform für Kurzzeitvermietung – Superhost-Status bringt mehr Buchungen.Weiterlesen →)20–40 Stundensehr niedrig

Was bleibt nach Kosten? Ehrliche Aufstellung

60-m²-Wohnung, 900 € KaltmieteGrundmiete ohne Betriebskosten – wird für Mietpreisbremse und Mieterhöhung zugrunde gelegt.Weiterlesen →, finanziert:

PositionBetrag/Monat
Kaltmiete brutto900 €
Kreditrate−600 €
Instandhaltungsrücklage (1 %/Jahr)−125 €
Hausverwaltung−60 €
Leerstand (rechnerisch)−15 €
Netto verbleibendca. 100 €

Die Steuerersparnis durch AfAAbsetzung für Abnutzung: 2% des Gebäudewerts jährlich steuerlich absetzbar – großer Steuervorteil.Weiterlesen → und Werbungskosten kommt on top und verbessert das Bild erheblich.

Wann wird Vermietung wirklich passiv?

  • Schuldenfreie Immobilien: Netto-Cashflow steigt massiv
  • Hausverwaltung: ab 3–5 Wohnungen klar lohnenswert
  • Stabile Mieter mit 5–10-jähriger Mietdauer
  • Standardisierte Prozesse (eigene Checklisten)

Der echte Wohlstand entsteht beim Verkauf

Wer 2010 eine Wohnung für 150.000 € in einer Mittelstadt kaufte, erzielt heute oft 300.000–400.000 € — zusätzlich zu 15 Jahren Mieteinnahmen. Der eigentliche Gewinn liegt im Vermögensaufbau.

Fazit

Vermietung ist eine der robustesten Einkommensquellen. „Passiv" im Sinne von „nichts tun" ist unrealistisch — „passiv" im Sinne von „kein 40-Stunden-Job" ist sehr wohl möglich. Wer 2–5 Stunden pro Monat investieren kann und langfristig denkt, baut echtes Vermögen auf.

Mehr: Immobilien als Altersvorsorge.

Die unterschaetzte Realitaet: Welche Kosten Vermieter vergessen

Die Kaltmiete von 900 Euro wirkt verlockend — bis die erste Rechnung vom Schornsteinfeger kommt. Vermieter unterschaetzen systematisch, welche Ausgaben anfallen, die nicht sofort sichtbar sind.

Typische monatliche Kostenfalle:

  • Nebenkosten-Ueberschuss: Kaum eine Abrechnung geht auf. Im Schnitt zahlen Vermieter 50–150 Euro monatlich drauf, weil Heizung oder Wasser unterschaetzt wurden
  • Reparaturfonds: Handwerker kosten in einer 60-m²-Wohnung schnell 1.500–3.000 Euro pro Jahr. Das entspricht 125–250 Euro monatlich — eine unsichtbare Quote, die viele nicht bilanzieren
  • Leerstand und Maklergebuehren: Bei Mieterausfall oder Neuvermietung fallen 1–2 Monatsmieten pro Jahr an. Das sind bei 900 Euro fast 75–150 Euro monatlich verteilt ueber das Jahr
  • Versicherungen und GrundsteuerKommunale Steuer auf Grundbesitz – umlagefähig auf Mieter als Betriebskosten.Weiterlesen →: 80–150 Euro monatlich, je nach Region und Immobilienwert

Die ehrliche Rechnung: Von den 900 Euro Kaltmiete bleiben oft nur 350–450 Euro übrig — wenn nichts kaputt geht.

Selbstverwaltung versus Hausverwalter: Das versteckte Zeitbudget

Wer eine Wohnung selbst verwaltet, spart etwa 100–150 Euro monatlich an Verwaltergebuehren (typisch: 10–12 % der Miete). Aber die 2–5 Stunden monatlich haben einen echten Wert.

Was Vermieter wirklich tun müssen (§ 556d BGB):

  • Nebenkostenabrechnung erstellen und korrekt begruenden
  • Maengelbehoben innerhalb angemessener Fristen veranlassen (§ 535 BGB — keine Bagatellgrenze)
  • Mietausfall dokumentieren und der Finanzbewilligung melden
  • Mieterauskunft geben und SelbstauskunftFormular zur Mieterprüfung mit Einkommens- und Bonitätsangaben – rechtlich klar begrenzt.Weiterlesen → verwalten
  • Versicherungsfaelle regulieren und mit Handwerkern koordinieren

Realistisch: Eine Hausverwalter kostet 100 Euro monatlich. Ihre Zeit ist etwa 40–60 Euro monatlich wert (netto), wenn man einen marktgerechten Stundensatz rechnet. Dazu kommt der psychologische Vorteil: Ein professioneller Verwalter puffert Mieterkonvikte ab und schaetzt haftungsrechtlich ab, ob eine Reparatur obligatorisch ist oder als Schoenheitsreparatur gelten kann.

Steuern — der größte Hebel für realistisches Einkommen

Viele Vermieter möchten nicht horen, dass Steuern das Endergebnis halbieren können. Aber die Realitaet ist: Vermietungseinkuenfte sind normale Einnahmen, die mit dem persoenlichen Steuersatz berechnet werden (bis 45 % inklusive Soli und Kirchensteuer).

Rechenbeispiel für eine 60-m²-Wohnung:

  • Jährliche Mieteinnahmen: 10.800 Euro
  • Minus: Nebenkosten-Ausgleich, Reparaturen, Steuern, Versicherung: ca. 5.000 Euro
  • Gewinn vor Steuern: 5.800 Euro
  • Bei 35 % Grenzsteuersatz: 2.030 Euro Steuern
  • Netto-Einkommen: 3.770 Euro pro Jahr = 314 Euro monatlich

Das ist weniger als viele Vermieter erwarten.

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