Ratgeber

Elektroinstallation prüfen: Pflichten für Vermieter im Überblick

Veraltete Elektroinstallationen verursachen Brände, Kurzschlüsse und Schäden. Für Vermieter ist die regelmäßige Prüfung der Elektrik nicht nur sinnvoll — in vielen Fällen ist sie Pflicht.

Rechtliche Grundlage

Die DIN VDE 0100-600 und die Betriebssicherheitsverordnung (BetrSichV) regeln Prüfanforderungen. Für Wohngebäude gilt:

  • Prüfung nach Neuinstallation oder größerer Änderung
  • Wiederkehrende Prüfung: Empfehlung alle 4 Jahre (VDE), je nach Nutzung
  • Bei Mieterwechsel oder nach einem Schaden: sofortige Überprüfung empfohlen

Wann ist die Elektrik definitiv zu prüfen?

  • Gebäude älter als 30 Jahre und nie geprüft
  • Sicherungskasten noch mit alten Schmelzsicherungen
  • Häufige Kurzschlüsse oder FI-Auslösungen
  • Wohnung wurde renoviert oder umgebaut
  • Nach einem Brand oder Wasserschaden

Was prüft ein Elektrofachbetrieb?

  • Schutzleiter-Kontinuität
  • Isolationswiderstand
  • Funktion der FI-Schutzschalter
  • Zustand der Schalter, Steckdosen und Leitungen
  • Übereinstimmung mit gültigen Normen

Kosten der Elektroprüfung

Mann baut neue Möbel auf, lacht dabei
MaßnahmeKosten (ca.)
E-Check für eine Wohnung (60 m²)100–200 €
E-Check für ETWEigentumswohnung – häufigste Form der Kapitalanlage-Immobilie für Privatanleger.Weiterlesen →, mehr Verwaltungsaufwand.">MehrfamilienhausGebäude mit mehreren Wohneinheiten – bessere Renditen als ETW, mehr Verwaltungsaufwand.Weiterlesen → (6 WE)500–1.200 €
Sicherungskasten modernisieren800–2.000 €

Haftung bei Elektrik-Mängeln

Wenn ein Brand durch bekannte und nicht behobene Elektrikmängel entsteht, haftet der Vermieter. Die WohngebäudeversicherungPflichtversicherung für Vermieter – schützt das Gebäude vor Feuer, Wasser, Sturm und Hagel.Weiterlesen → kann Leistungen kürzen oder verweigern, wenn grobe Fahrlässigkeit nachgewiesen wird.

Fazit

E-Check bei Altbauten dringend empfohlen — alle 4 Jahre oder nach Auffälligkeiten. Dokumentation der Prüfung aufbewahren. Mängel sofort beheben. Haftungsrisiko durch regelmäßige Prüfung minimal halten.

Haftung bei Schäden: Was BGB und Versicherung regeln

Vermieter haften nach BGB §535 Abs. 1 für die Verkehrssicherungspflicht der Mietsache. Das bedeutet konkret: Wer eine veraltete oder fehlerhafte Elektroinstallation ignoriert und es kommt zu einem Brand oder Stromschlag, kann persönlich haftbar gemacht werden – auch wenn der Mieter den Schaden verursacht hat.

Die Haftungsrisiken sind erheblich:

  • Sachschäden am Gebäude (Brände kosten schnell 50.000–200.000 Euro)
  • Personenschäden bei Mietern oder Dritten (unbegrenzte Haftung)
  • Regress durch Versicherungen bei fahrlässiger Unterlassung der Prüfung

Wichtig: Viele Gebäudeversicherungen leisten nicht, wenn nachgewiesen wird, dass Prüfungen unterlassen wurden. Eine dokumentierte Elektroprüfung alle 4 Jahre schützt Sie rechtlich und sichert den Versicherungsschutz ab. Ein Elektrofachbetrieb stellt Ihnen dafür ein Prüfprotokoll aus – diese Unterlagen sollten Sie mindestens 10 Jahre aufbewahren.

Typische Elektromängel in älteren Mietwohnungen

Besonders bei Häusern vor 1990 finden sich regelmäßig gefährliche Zustände. Der Gutachter prüft gezielt auf:

  • Unzureichende Erdung – alte Häuser haben oft noch Zwei-Draht-Systeme statt moderner Schutzleiter
  • Veraltete Sicherungen – Schmelzsicherungen statt modernen FI-Schutzschaltern
  • Zu wenige Steckdosen – führt zu unsicheren Mehrfachsteckdosen und Überlastung
  • Beschädigte Leitungen hinter Tapeten – Mäuse, Feuchte oder Renovierungsarbeiten greifen isolierte Kabel an
  • Fehlende RCD-Schutzvorrichtungen – besonders in Feuchträumen (Bad, Küche) oft nicht vorhanden

Ein häufiger Fehler: Vermieter nehmen die Selbstaussage des Mieters zur Kenntnis („Alles okay hier"). Das reicht nicht. Die Verkehrssicherungspflicht ist nicht delegierbar – eine professionelle Prüfung ist Ihre Pflicht, nicht die des Mieters. Planen Sie einen Mieterwechsel, sollte die Elektroprüfung vor dem neuen Mieter erfolgen.

Prüfumfang und Kosten: Was Sie einplanen sollten

Die Kosten für eine Elektroprüfung (Wiederholungsprüfung nach DIN VDE 0105-100) liegen in Deutschland zwischen 200–400 Euro pro Wohnung. Eine Neuprüfung nach Sanierung kostet das Doppelte bis Dreifache. Diese Investition ist rechtlich notwendig und betriebswirtschaftlich sinnvoll.

Der Prüfumfang umfasst:

  • Sichtprüfung aller Leitungen, Steckdosen und Schalter
  • Messung der Schutzleiterwiderstände und Isolationswiderstände
  • Funktionsprüfung von Fehlerstromschutzschaltern (RCD-Test)
  • Prüfung der Erdungsanlage
  • Kontrolle der Sicherungen und Leitungsquerschnitte

Tipp: Beauftragen Sie immer einen zugelassenen Elektrofachbetrieb – nicht jeden Handwerker. Der Prüfer muss nach DIN VDE 0100-600 zertifiziert sein. Nutzen Sie die Prüfung auch für Optimierungsvorschläge:

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